Aktuelles

Solidarność protestiert gegen Geschäftspraktiken von Lidl

Solidarność protestiert gegen Geschäftspraktiken von Lidl

Die polnische Gewerkschaft Solidarnos'c' ruft zum Boykott des Discounters Lidl auf. Grund dafür sind antigewerkschaftliche Praktiken der Lebensmittel-Kette. Die Geschäftsleitung  von Lidl hat kürzlich Mitarbeiter entlassen, die sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingesetzt hatten und ihnen illegale Protestaktionen sowie das Fälschen von Dokumenten vorgeworfen. In einem Brief an die Redaktion der Tageszeitung Rzeczpospolita bezeichnete Lidl-Sprecherin Patrycja Kamin'ska die Entlassungen auf Grund interner Ermittlungen als unausweichlich. Außerdem sei bereits die Staatsanwaltschaft in der Sache informiert worden. Solidarnos'c'-Sprecher Marek Lewandowski hingegen bezeichnete die Vorwürfe als „schwachsinnig“ und gab sich zuversichtlich, dass die Schuldzuweisungen gegenüber den Lidl-Angestellten vor Gericht keinen Bestand haben werden. Solange die Angestellten nicht rechtskräftig verurteilt seien, bestehe auch kein Anlass diese zu entlassen, so Lewandowski. Gleichzeitig stehe zu befürchten, dass sich das Verfahren über mehrere Jahre hinziehen könne. Um weiterhin Druck auf Lidl auszuüben und so zu einer schnelleren Lösung im Sinn der betroffenen Beschäftigten zu gelangen, hat Solidarnos'c' nun zum Boykott des Discounters aufgerufen. In der Vergangenheit habe man mit solch einer „Guerilla-PR“ und dem Angriff auf das öffentliche Ansehen eines Unternehmens bereits kleine Erfolge erzielt. Eine ähnliche Kampagne hatte vor einigen Jahren dazu geführt, dass der polnische Lidl-Konkurrent Biedronka seinen Beschäftigten mehr als den gesetzlichen Mindestlohn zahlt. Dank des gewerkschaftlichen Engagements verdienen die Biedronka-Angestellten jetzt 2000 PLN anstatt der gesetzlich vorgeschriebenen 1700 PLN im Monat. Im aktuellen Fall möchte Solidarnos'c' mit einer Flyer-Kampagne sowie Berichten in lokalen Medien auf das Problem aufmerksam machen und sich so die Unterstützung der Öffentlichkeit sichern.

Katarzyna Dulewicz, Anwältin von Solidarnos'c', betonte außerdem die Unzulässigkeit des Anfangsverdachts gegenüber den betroffenen Lidl-Mitarbeitern. Da die internen Vorschriften von Lidl nicht ausreichend formuliert seien, könne man den Vorwurf von „illegalen Protestaktionen“ nicht aufrecht halten. Die zumindest zweifelhafte Behandlung seiner Beschäftigten wird Lidl schon seit einiger Zeit vorgeworfen. Der Anwalt Lech Obara aus Olsztyn (Allenstein) berichtet von einem Fall, in dem eine Angestellte direkt nach dem Ende ihres Mutterschutzes gekündigt wurde. Darüber hinaus gebe es im ganzen Discounter-Bereich immer wieder Berichte von Drangsalierungen und Mobbing von Filialleitern gegenüber ihren Mitarbeitern. Da diese Fälle durch Betriebsinspektionen nur schwer zu protokollieren sind, kommen nur wenige Fälle vor Gericht.